Projekt Entlebuch G4 - eine kritische Betrachtungsweise

von Anian Liebrand  

Gelesen in "Entlebucher Anzeiger" vom Freitag, 16. April 2010; Autor: Thomas Emmenegger, Treuhänder mit eidg. Fachausweis, parteilos, Schüpfheim.

(...) Im Rahmen seiner Dissertation zum Thema "Interkommunale Zusammenarbeit und Gemeindezusammenschlüsse" hat Dr. Reto Steiner 2002 verschiedene Fusionen eingehend analysiert. Bei 50 Prozent der Gemeinden stieg die Verschuldung innerhalb von fünf Jahren nach dem Zusammenschluss an. Bei einem Drittel mussten gar die Steuern erhöht werden.
Zu einem ähnlichen Fazit kommt Christian Wanner, Regierungsrat des Kantons Solothurn (Zitat aus einem Artikel in "Schweizer Gemeinden", 3/06, zum Thema Gemeindefusionen): "Bezüglich der finanziellen Vorteile gibt es keinen wissenschaftlich fundierten Nachweis." Ähnlich die Aussage von Dr. Ralph Straumann von der Uni Zürich, welcher im Rahmen einer Seminararbeit im Jahre 2003 zum Thema "Gemeinde- und Kantonsfusionen: ein Modell mit Zukunft" festhält: "Tendenziell scheinen Gemeindefusionen keine Kosten einzusparen.
Interessante Zahlen liefert zudem eine Studie der Uni Zürich von 1996, welche die Verwaltungskosten in den Gemeinden untersucht hat und zu folgendem Ergebnis kommt: Bei Gemeinden mit einer Einwohnerzahl von 2'000 bis 5'000 beträgt die Angestelltenquote pro 100 Einwohner 0,61, bei 5'000 bis 10'000 beläuft sie sich bereits auf 0,76 und bei 10'000 bis 25'000 gar auf 1,07.
Diese Zahlen lassen eindeutig die Schlussfolgerung zu, dass in der neuen Grossgemeinde Entlebuch, bei einer vorgesehenen Bevölkerungszahl von rund 11'000 Personen, mit erheblich höheren Verwaltungskosten gerechnet werden muss. Die Prognose der Finanzgruppe von Entlebuch G4, wonach diese nach einem Zusammenschluss sinken werden, wird sich nicht bewahrheiten und zur Makulatur - das Gegenteil wird eintreten. (...)

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